[Rezension] „Auf der Kippe“ von Peter Detert mit Ingeborg Prior.

© Heyne

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Grundinformationen:

Autor: Peter Detert mit Ingeborg Prior
Titel: Auf der Kippe – Wenn Ärzte, Justiz und Gesellschaft versagen – mein extremes Leben mit der Borderline-Krankheit
Seitenzahl: 273
ISBN: 978-3-641-03249-4
Preis: 15,99
Verlag: Heyne
Genre: Sachbuch
Sprache: deutsch
Einband: ebook
Erscheinungsdatum: 02.10.2009
Erstveröffentlichung: 29.09.2008

Kurzbeschreibung:

Auf der Grenzlinie zwischen Leben und Tod
Ein psychisch Erkrankter, der wie ein Schwerverbrecher behandelt wird – ein Justizsystem, das sich keine Mühe gibt, die Fakten richtig zu beurteilen – und eine Gesellschaft, die lieber nicht so genau hinsieht: Dies ist die bewegende Biografie einer Borderline-Persönlichkeit, deren wahre Krankheit über Jahre nicht erkannt wird. Und es ist gleichzeitig ein kritisches Spiegelbild der deutschen Justiz und ihrer Behörden, die nicht zuletzt Mitschuld tragen am Lebensweg von Peter Detert.

Als Peter Detert sechs Jahre alt ist, lassen sich seine Eltern scheiden, und die Mutter verlässt das Haus, ohne sich jemals wieder zu melden. In den folgenden Jahren wechselt Detert achtmal die Schule, erlebt diverse Stiefmütter, Heime und Pflegefamilien. Er hat jedoch Glück: Das Heim, in das er mit sechzehn Jahren kommt, bietet ihm großen Halt. Er wird ein guter Schüler und besucht die Fachoberschule. Doch an der Schwelle zum Erwachsenensein bricht seine Krankheit aus, und sein Leben verändert sich auf dramatische Weise: Ohne einen für seine Umwelt erkennbaren Grund wirft er sich vor einen Lkw. Und es wird nicht sein letzter Suizidversuch bleiben. Das Borderline-Syndrom, eine Persönlichkeitsstörung, die – wörtlich übersetzt – die Grenzlinie zwischen einer Vielzahl von auffälligen neurotischen und psychotischen Verhaltensweisen und Gefühlen bedeutet, ist zu diesem Zeitpunkt noch weitgehend unerforscht und bleibt unerkannt. Falschtherapien bis hin zu Zwangseinweisungen in geschlossene Kliniken und die Forensik folgen. Schließlich driftet Peter Detert in die Kriminalität ab. Für einige Zeit wird er Deutschlands meistgesuchter Verbrecher. Erst als er einem verständnisvollen Richter begegnet, kann er sich schließlich nach Jahren doch noch aus diesem Teufelskreis befreien.

Leseprobe:

Hier.

Covergestaltung:

Man sieht in blau – rot gehalten eine ewig lange Rolltreppe. Es wirkt wie ein endloser Tunnel ans Licht.

Meine Meinung:

Ein Leben mit Borderline ist nie einfach, das weiss ich aus eigener Erfahrung. Man wird ausgegrenzt, und behandelt wie der letzte Dreck. Oftmals wird unter dieser Diagnose alles zusammen gefasst, was bei anderen Diagnosen nicht mehr rein passt, dabei gibt es mittlerweile sehr wohl Kriterien die für die Überprüfung heran gezogen werden können. Mir ist es ein persönliches Anliegen dieses Buch für andere Menschen zu rezensieren, um zu sehen wie man mit Menschen nicht umgehen sollte.

Peter Detert hat einen langen schweren Weg hinter sich gebracht, der viel viel Leid mit sich brachte. Er hat immer wieder gekämpft, versucht sich zu beweisen, aber wenn einen die Gefühle überrollen kann mit einem Schlag alles wieder über einem zusammen brechen. Das Gefühl dieser rastlosen Unruhe kenne ich zu gut. Ich haue zwar nicht so ab wie es Peter Detert in seinem Buch beschreibt, aber ich fahre trotzdem gern durch die Gegend, und wenn es nur einmal nach Nürnberg mit dem Zug ist. Das tut unheimlich gut, auch wenn mich der Rest der Welt für verrückt hält.

Am Ende des Buches denkt man „wow“, er hat sich am eigenen Schopf aus der ganzen Scheisse, und der Verkettung von Umständen gezogen, ABER als ich dann nach dem Namen Peter Detert googlte, war gleich der erste Link von einem Blog, wo stand, dass er sich am 13.05.2010 das Leben genommen hat. Das ist jetzt bereits fast 5 Jahre her. Ich fänd es wirklich fair, wenn das auch im Buch erweitert würde, denn das Buch suggeriert etwas, was nicht der Fall ist. Er hat es nicht geschafft, denn immer wieder war Suizid ein Thema für ihn, und das obwohl sein Leben zu dem Zeitpunkt in geregelten Bahnen zu verlaufen schien.

Jeder der sich mit dem Thema beschäftigt, natürlich auf Grundlage von Fachliteratur, der wird wissen, dass die Gefahr, dass diese lebensmüden Gedanken immer wieder kehren können, niemals komplett abebbt. Es ist und bleibt ein Tabuthema, ein kurzer Aufschrei wenn mal wieder einer gegangen ist. Wut, weil Außenstehende nicht verstehen können wie man das nur tun kann. Aber wie gross wohl das Leiden der Menschen war, das hinterfragt kaum einer. Und das lässt mich nachdenklich und traurig zurück.

Das Buch lässt sich schnell und einfach lesen, ist also auch für Menschen geeignet welche nicht all zu gern und oft lesen.

Mein Fazit:

Ein Buch, welches zeigt, das man nicht jeden Menschen, der Fehler begeht, sofort abstempeln sollte.

Meine Bewertung:

Cover: 3,5 von 5 Katzen
Klappentext: 4 von 5 Katzen
Inhalt: 4 von 5 Katzen
Erzählstil: 5 von 5 Katzen
Preis/Leistung: 2,5 von 5 Katzen
Insgesamt: 4 Katzen

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Zum Autor:

Peter Detert, geboren 1966, wuchs in der Gegend von Bielefeld auf. Nach der mittleren Reife 1984 brach er die weitere Schulausbildung zum Fachabitur aufgrund seiner Borderline-Erkrankung ab. 1995 machte er den Abschluss zum Augenoptiker. Seit 2003 lebte er nach erfolgreicher Therapie und wieder im Besitz seiner vollständigen Bürgerrechte zusammen mit seiner Lebenspartnerin, der Künstlerin Martina Rambeaud, in Hamm/Westfalen. Doch die Todessehnsucht holte ihn wieder ein: Im Mai 2010 starb Peter Detert durch Selbstmord.

Quelle: Random House Autoren

Zu kaufen gibt es dieses Buch:

Altersempfehlung:

  • Erwachsene

Lesezeit:

  • sehr kurz

Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle beim Heyne Verlag, und dem Bloggerportal von Random House, für die Bereitstellung des Buches als Rezensionsexemplar.

 

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